Weihnachten zum Zahnarzt
Jedes Jahr beginnen wir mit unseren Weihnachtsvorbereitungen ab den ersten Advent. Ab dann gehört die Küche meiner ganzen Familie und ich darf nur noch stibitzen und mal schauen, was sie so treiben in meinem Revier. Meine Tochter Constanze und mein Sohn Alex, die sonst Küchenarbeit und gar das Kochen , und vielleicht noch backen bis auf`s letzte hassen, sind dann nicht wieder zu erkennen. Jedes Wochenende stehen sie mit meiner Frau Gundel von morgens bis zum späten Nachmittag in der Küche und backen Kuchen, stechen Kekse aus, überlegen ,welche Zusätze sie zum Teig nehmen könnten, damit ganz, ganz andere Kekse entstehen als im Vorjahr. Natürlich sind dabei Kekscreationen entstanden,die keinem von uns als genießbar erschienen und schon gar nicht zu essen waren. Als die Kinder kleiner waren, hatten sie doch den Einfall gehabt, den Teig mit Essig zu verdünnen, und so könnt ihr euch vielleicht den Geschmack der Kekse vorstellen, die dann entstanden sind?
Ich liebe diese Zeit, obwohl mehr Arbeit entsteht, denn den Abwasch, den überlassen mir großzügig die drei. So stehe ich regelmäßig am Wochenende bis zum Abendbrot, manchmal sogar länger,und weiche Pfannen, Bleche und Kuchenformen ein; scheuere, kratze Teigreste und das Herdinnere aus.
Schon so manches böse Wort ließ ich dann im Innern los, denn den Spaß meiner Familie will ich ihr nicht nehmen ,trotzdem schwöre ich zu Weihnachten jedesmal, daß im nächsten Jahr, die Rollen des backens und des saubermachens anders verteilt werden.
Kommt die Weihnachtszeit heran, versuche ich auch meine Familie zu überzeugen, was aber ganz hoffnungslos ist, da ich sowieso überstimmt werde. Will ich mich dann doch mal ernstlich durchsetzen, werde ich durch Gundel in meine Schranken gewiesen, die mir dann überzeugend erklärt: "Willst du denn den Spaß deiner Kinder verderben? Wer weiß wie lange Constanze und Alex daran Freude haben. Du bist später dran, wenn Constanze und Alex nicht mehr solche Lust auf die Weihnachtsvorbereitungen haben". Ja, damit kommt Gundel mir nun jedes Jahr. Und so warte ich auf Weihnachten, ob die Lust meiner Kinder vorbei ist. Bisher umsonst.
Andrerseits kann ich mich manchmal eines Gedankens nicht erwehren, ob das nicht alles zwischen den dreien abgesprochen ist, daß ich zum abwaschen verurteilt wurde?
Dieses Jahr war wieder alles so, wie in den letzten Jahren zuvor. Mit brennen der ersten Kerze ging das Gebacke, das Gekoche, das Geraschel, das Gewispere und das steigen der nervösen Spannung los.
Herrliche Zimtkekse, Honigkuchen und andere Leckereien backten Gundel und die Kinder.
Sobald ein Blech mit den fertigen, noch warmen Keksen aus dem Ofen gezogen wurde, kommt entweder Alex oder Constanze, meistens aber Constanze, zu mir mit einem Probekeks, den ich dann kosten muß. Und wehe, ich lobe ihn nicht in den höchsten Tönen, verdrehe die Augen und spitze die Lippen, indem ich dann sagen muß: "wie delikat, wie köstlich ihr Zuckerbäcker das wieder hingekriegt habt". Schon im eigenen Interesse muß ich das sagen, denn sonst erhalte ich keinen Probekeks mehr und darf sonst der abgekühlten Leckereien nicht teilhaftig werden, weil mir dann vorgehalten wird: "du hast uns nicht gelobt das dir die Kekse schmecken, so brauchst du auch keine essen...", tja und diese Srafe zu Weihnachten....
Selbstgebackene Kekse-hm, herrlich, ohne diese Kekse ist für mich kein richtiges Weihnachten. Meine Familie hat es aber in den letzten Jahren noch nie geschafft, den reichhaltigen Vorrat an selbstgebackenen Keksen länger als bis zum ersten Weihnachtsfeiertag zu halten. Die waren alle dann weggegessen, und wir schwören uns dann immer wieder auf`s neue, nächstes Jahr wird noch mehr gebacken. Was aber nicht`s nutzt.
Heuer kommt meine liebe Tochter Constanze und gibt mir einen herrlichen Rosinenengel. Wie der duftet! Wie der ausschaut! An den Rändern etwas dunkler als in der Mitte, die Flügel säumen Rosinen und Korinthen abwechselnd. "Constanze, der ist ja viel zu schade zum essen, hast du nicht einen anderen Probekeks für mich?"
"Nein Vati, den mußt du essen. Guck mal, in der Mitte haben wir ein 'P' eingeritzt, für 'Papa'.
Außerdem haben wir ein ganzes Blech mit Engeln gebacken, weil uns die Form so gut gefiel."
Ich beiße vorsichtig in die Spitze des Flügels- wie der Keks im Munde zergeht, und so leicht angewärmt schmeckt er köstlich, und so verdreh ich die Augen um zu sagen" wie delikat.."- in diesem Moment, stöhn ich auf, halte meine Hand vor dem Mund, ziehe sie zurück und schaue auf den Handteller und sehe ....
"Papa, was hast du? Zeig mal deine Hand, was ist denn da?"
"ich weiß nicht Constanze, entweder ein Stein, oder Zahn oder 'ne Einlage von einem Zahn - moment mal-" dabei fühle ich mit der Zunge die Zähne durch, ob ein Zahn abgebrochen ist, nein, so ein Glück - aber da, am Backenzahn auf der rechten Seite ist ein Loch, und das fühlt sich sooo groß an. "Eine Einlage ist aus dem Zahn gefallen, nun ade Weihnachtszeit und Bäckerei" sage ich zu Constanze und zeige ihr dabei die Einlage, die ich in der Hand halte, nebst einem Steinchen, aussehend wie eine Korinthe.
"Da muß euch wohl in den Rosinen und Korinthen ein Stein dazwischen gekommen sein. Wer hat die denn vorher gewaschen?" "Das war Mutti" antwortet Constanze.
Ein Glück, das ich im Moment noch keine Schmerzen empfinde, so eile ich denn in die Küche zu meiner Frau : "Gundel, sieh dir das an, mir ist eine Einlage durch einen Stein herausgefallen" Anstatt mich zu bemitleiden und zu hätscheln, sagt Gundel zu mir: "na das hast du ja fein hingekriegt, Männe, wir haben Weihnachten, wo willst du einen Zahnarzt herkriegen?" Wie in diesem Falle, verschließt sich mir doch wieder die Logik der Frauen, jedenfalls meiner Frau. Hab ich denn Schuld daran, daß ich auf einen Stein gebissen habe, den meine Frau beim waschen der Früchte übersah, und mir meine Plombe herausfällt?
Andrerseits gefällt mir das praktische denken meiner Frau immer wieder, denn daran dachte ich noch gar nicht, daß ich zum Zahnarzt muß, denn mit offenem Zahne, und das während der Weihnachtszeit, herumzulaufen ist gefährlich und verleidet einen doch richtig den saftigen Putenbraten.
Es ist sechs Uhr abends, Freitags, ein Tag vor Heiligabend. Wenn ich jetzt keinen Zahnarzt bekomme, muß ich Samstag, Sonntag und Montag als zweiten Feiertag, mit offenem Zahn sein.
Herrje, und unser Zahnarzt ist in den Weihnachtsurlaub gefahren. Die nächstgrößere Stadt mit einem Notarzt um die 80 Km entfernt, was machen? Vor Nervosität fängt jetzt auch noch der Zahn an zu pochern.
"Männe, du gehst erst mal in dein Zimmer und schaust im Telefonbuch nach, ich inzwischen mache die Küche sauber und stecke unsre Kinder ins Bett. Es ist ja nichts schlimmeres passiert", so gibt mir Gundel Mut- nicht wahr?
Ich sitz im Zimmer, vor mir das Telefonbuch, suchend nach einem Zahnarzt. Drei Zahnärzte finde ich. So greif ich zum Telefonapparat und wähle die erste Nummer. Eine nette Stimme spricht sofort los - ah, denk ich mir, 'haben wir gleich Glück', aber nein, die nette Stimme tönt von einem Anrufbeantworter: "Unsere Praxis ist bis zum 3.Jänner geschlossen, wir wünschen unseren Patien....." hier habe ich unterbrochen den Spruch und legte auf. Was die einen wünschen wenn man Zahnprobleme hat.....
Der nächste Versuch. Hier meldet sich: "Schwester Monika, Praxis Dr H
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