SCHMETTERLING

Eingefangen haben wir eine Raupe,
dunkel, borstig ; gehegt und gepflegt,
für uns warst Du die Schönste.
Gefüttert, getränkt, liebkost und gestreichelt;
fühltest Du Dich wohl, bei uns war Dein zu Haus.
Die Raupe, die wir fanden, spann sieben Monate ihr Netz;
Ihr Kokon war unsere Wärme, unsere Liebe die wir ihr gaben.
Aus Ihrem Kokon, aus unserm Haus, flog ein Schmetterling,
leuchtend, auf und davon, was bleibt ist eine leere Hülle.

Nun fliegt der Schmetterling zum nächsten Haus,
uns läßt er zurück, ohne Dank, ohne Mitleid.
Schmetterling, paß auf, daß Dein Undank
Dir nicht zerzaust die Flügel,
und gestutzt weinst Du uns nach.

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© copyright 1998 by ronald dollinger