Winter
Gestern liefen wir durch die Wälder,
und schlurften mit langgezogenen Beinen durch die Blätter,
die sich an unsere Sohlen hafteten
und Geräusche von sich gaben.
Heute schauen wir aus dem Fenster,
und bedeckt sind Wege und Dächer,
von grieselnden Pulverschnee,der bedeckend,
so manchen Schmutz und Unrat,
der unschön verschandelte unsre Natur.
Weiter fällt vom grauverhangenen Himmel,
der in uns kein Unbehagen weckt,
Flocke für Flocke neuer Schnee,
vergessen und verloren ist all die Unruh;
schwebend, tanzen die Kristalle zu ebener Erd,
setzen Baum und Strauch, Wies und Au,
und so manchen Zaunpfahl dazu,
eine neue, weiße Mütze auf.
Mit großem Geschrei stürzen Klein und Groß
aus Tür und Tor, und jedes Haus
hallt wider vom Lärm der klatschenden Bälle,
die so rundgeformt, zackig kleben an den Wänden.
Welche Freude für all die Junggebliebenen,
welch Ärger für all die Kniseriche,
die nun greifen zur Hacke und zum Schieber,
um zu beseitigen die weiße Pracht,
und nicht lange dauert`s,
da sind Wege und Straßen beräumt,
so mancher Baum, mancher Mensch nun träumt,
wann es wohl wieder schneie?
Auch diese Zeit der Sanftheit geht vorbei,
wenn die Sonne hoch am Himmelszelt,
alles wärmend umfaßt und steht,
dann nähert sich der Frühling,
und der Winter, der verfliegt.
© copyright 1998 by ronald dollinger